| Geschichte |
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Durch Stockstadts geographische Lage im Oberrheingebiet bedingt, wirken über Jahrhunderte auf das Stockstädter Siedlungsgebiet viele kulturelle Einflüsse. Der Rhein stellt nicht erst seit der Römerzeit einen der wichtigsten Handels- und Verkehrswege dar. Viele bedeutende Völker zogen durch dieses Gebiet und hinterließen bei uns Kulturspuren. Dies ist aufgrund vieler archäologischer Funde belegt. Von ganz besonderem Einfluss auf unsere Kultur waren jedoch die Römer. Sie brachten nicht nur den Straßen- und Brückenbau, die Architektur und den Weinbau in unsere Gegend. Durch ihre ausgedehnten Handelsbeziehungen wurde unsere Region eingebunden in den regen Austausch zivilisatorischer Güter, die bis heute unser Leben entscheidend beeinflussen.
Im Lorscher Reichsurbar von 830/850 ist erstmals vermerkt, dass der klösterliche Besitz in stochestat“ jährlich 17 Maß Getreide für das Kloster erbringe. Auch als Pfarrei wird Stockstadt schon früh erwähnt. Die Nennung seiner Pfarrkirche im Jahr 1184 fällt mit in die Bestätigung des Gesamtbesitzes des St. Albanklosters zu Mainz durch Papst Lucius III. Das Dorf muss demnach schon wesentlich älter sein. Die oberste Grundherrschaft über dieses Gebiet hatte der Erzbischof von Mainz, der 1279 die Herren von Eppstein mit der Vogtei belehnte. Die hohe Gerichtsbarkeit übten die Grafen von Katzenelnbogen oder deren Lehnsleute, die Herren von Wolfskehlen aus und Stockstadt musste zu deren Landgericht einen Schöffen stellen. 1428 ging Stockstadt mit anderen Besitzungen durch Verkauf an Johann Kämmerer von Dahlberg über. Aber auch hier blieb es nicht lange. Das Amt wurde hessisch, badisch und 1579 schließlich durch Tausch gegen Astheim endgültig hessisch. 1535 hatte der Landgraf bereits gegen den Willen von Mainz die Reformation in Stockstadt eingeführt. In der Folgezeit entwickelte sich Stockstadt durch seine Lage am Rhein zu einem wichtigen Hafen der Obergrafschaft. Unter anderem wurde hier Wein, vor allem aus dem Elsaß, zum Umschlag gelagert, der zum größten Teil nach Hessen-Kassel ging. Auch die Rheinfischerei entfaltete sich zu einem blühenden Gewerbe, dessen Ausübung durch einen in Stockstadt stationierten Bachknecht überwacht wurde. In den zahlreichen Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts hatte die Gemeinde durch Truppendurchzüge, Zerstörungen und Plünderungen immer wieder schwer zu leiden. Im Dreißigjährigen Krieg erkundete König Gustav Adolf von Schweden von hieraus den gegenüberliegenden Kühkopf und stationierte oberhalb von Stockstadt einen Teil seiner Truppen zur Vertreibung der Spanier am Rhein. Als gegen Ende der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts der Rheindurchstich „Am Geyer“ erfolgte, der Stockstadt vom Rheinstrom trennte, ging Stockstadt ein erheblicher Teil seiner wirtschaftlichen Bedeutung verloren. Bis dahin war es ein wichtiger südhessischer Lager- und Umschlagplatz der Rheinschifffahrt gewesen, der vielen Einwohnern der Gemeinde ihr Auskommen sicherte. Nun fielen diese Arbeitsplätze weg, neue standen nicht zur Verfügung. So kam es, dass bis 1850 etwa 100 Personen aus der damals rund 800 Einwohner zählenden Gemeinde nach Amerika auswanderten. Bei Ausgang des 18. Jahrhunderts umfasste die Stockstädter Gemarkung eine Fläche von insgesamt 2267 Morgen, von denen 607 in adligem oder kirchlichem Besitz waren. Den Rest teilten sich die öffentliche Gemeinde und die einzelnen Gemeinsleute selbst als Eigenbesitz. Durch die 1945 von der amerikanischen Besatzungsmacht verfügte Eingliederung der Rheininsel „Kühkopf“ – sie gehörte vorher zu Rheinhessen und wurde durch ihr nach der Rheinbegradigung entstandenes Naturschutzgebiet weithin bekannt – wuchs die Stockstädter Gemarkung auf heute 1872 ha an. Die Bevölkerungsziffer hat sich in den letzten 130 Jahren etwa verfünffacht. 1871 zählte man 1.104 Einwohner, 1939 waren es 2.129, 3.158 im Jahre 1950, 1976 bereits 4.554, 31.12.1984 – 5.243 Einwohner und am 31.12.2004 – 5.815 Einwohner. Der Ausbau der Riedbahn im Jahre 1869 führte zu einer erheblichen Verbesserung der Verkehrsverhältnisse, was nicht ohne Einfluss auf die wirtschaftliche Gesamtsituation blieb.
Das starke Ansteigen der Bevölkerung und der gleichzeitig in Angriff genommene Ausbau der Infrastruktur schufen auch die Voraussetzungen, um die Gemeinde mit allen für ein modernes Gemeinwesen notwendigen Einrichtungen zu versehen. So verfügt Stockstadt heute über ein Sportzentrum mit Sport- und Tennisplätzen, ein Bürgerhaus mit Mehrzweckhalle und Clubräumen und drei Kegelbahnen, das dem kulturellen und dem Vereinsleben weiteren Auftrieb gibt. Weiterhin ist eine Großsporthalle (27 × 45 m) mit Tribüne und ein Freischwimmbad mit 20.000 qm Liegewiese vorhanden. Zwei Kindergärten und zahlreiche Kinderspielplätze stehen zur Verfügung.
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